Superheldin  29. Oktober 2018

Mit Schokolade zur #BossLady

Honeyletter Production

Nadia Doukali ist unsere Superheldin, #BossLady und vor allem Erfinderin des Iftarlender®

Nadia hat dem hijabvibe-Team erzählt, wie sie es von Kinderbuchautorin zu einem erfolgreichen Schokoladenbusiness "Honeyletter Productions" geschafft hat, welchen Herausforderungen sie ausgesetzt war echte Halal-Schokolade zu produzieren und wie aus ihrer Sicht Schokolade Menschen zusammenbringt.

Wenn Nadia von ihrer Erfolgsgeschichte spricht, ist man sofort von ihrem motivierten und ehrgeizigen Temperament angesteckt.
Der Hashtag #BossGirl trifft auf jeden Fall auf sie zu 😉
Also, lest unbedingt das Interview und gebt uns euer Feedback.

Viel Spaß!

Liebe Nadia, stelle dich bitte kurz vor und erzähle uns was du machst.

Nadia: Bevor ich Honeyletter Productions gegründet habe, war ich freie Texterin und habe in verschiedenen Redaktionen gearbeitet. Aus dieser Leidenschaft heraus habe ich angefangen Kinderbücher zu schreiben. Nur leider habe ich schnell gemerkt, dass man vom Schreiben alleine nicht wirklich leben kann.

Mit der Geburt meines dritten Sohnes passierte das, was wir Muslime immer sagen: Dass jedes Kind seine Baraka (Segen) mit sich bringt. Das war dann tatsächlich so. Mein Sohn brachte “Schokoladen-Baraka” mit. Er inspirierte mich einen Kalender für die Zeit des Ramadan zu kreieren. Und soo entstand der Iftarlender.
Seitdem bin ich Produktentwicklerin für Halal- und Koscher-Schokolade.

Du hast als Kinderbuchautorin angefangen. Welche Themen hast du in diesen Büchern behandelt?

Nadia: Also, Ponyhofgeschichten, die schreiben ja schon ganz viele Autoren. Da wollte ich mich nicht einreihen. Man muss auch wissen, dass die Verlagswelt sehr schwierig ist. Durch die hohe Konkurrenz bekommst du nicht so schnell einen Verlagsdeal. Da muss man schon ein spezielles Thema aufgreifen.
Mich hat immer gestört, dass es über Themen, die meine Kinder wirklich interessieren, kaum kindgerechte Bücher gibt. Warum stirbt jemand? Warum bist du manchmal weg? Warum gehst du weg von mir? Warum ist jemand anders? Warum redet man bei Tabuthemen eigentlich um den heißen Brei herum? Keine Frage, es gibt ganz tolle Bücher für spezielle Themen, ob es um getrennte Eltern oder Krankheiten geht. Aber in diesem speziellen Fall war das Tabuthema Krebs bei Kindern. Da habe ich nichts gescheites gefunden. Also habe ich ein Buch darüber geschrieben.

Irgendwann kam ein Verlag mit der Bitte auf mich zu, ein Buch über den Propheten Mohammed (s.a.w.) zu schreiben. Ich dachte nur: Warum ich? Als ich aber ernsthaft darüber nachdachte, fand ich die Idee interessant. Ich habe meine eigene Art zu schreiben, mein eigenes Wissen über den Propheten. Ich habe meine eigene Art Religion oder Religiosität zu sehen. Und genau das wollte der Verlag. Und ja, das ist mir gelungen. Meine Kunden lieben es! Ich habe dann auch das Hörspiel dazu gemacht. Das ist auch so eine Macke von mir. Ich muss immer zu jedem Buch ein Hörspiel machen.

 

2016 hast du dein erstes Produkt “Iftarlender” mit großem Erfolg auf den Markt gebracht. Erzähle uns wie du auf diese Idee gekommen bist.

Nadia: Die Idee zum Iftarlender kam mir mit der Geburt meines dritten Sohnes. Ich hatte einfach diesen Gedanken im Kopf “Ich will, dass daraus eine Marke wird!” und habe einfach geträumt und Luftschlösser gebaut. Aus diesem Traum heraus habe ich in meiner Küche angefangen den ersten Kalender selbst zu kreieren. Dann bin ich ein Risiko eingegangen und habe 2.000 Kalender vorbestellt. 2.000 Kalender sind wirklich viel! Das hört sich erst einmal nicht viel an, aber das sind fünf Europaletten.

Ich sagte zu meinen Kindern:
“​So, der Keller ist voll Schokoladenkalender. Wenn ich es schaffe alles zu verkaufen, gibt es neue Schuhe, wenn nicht, gibt es nur noch Nudeln und Schokolade für eine lange Zeit.​”. (lacht)

Meine Kinder, die werden sowieso immer vor vollendete Tatsachen gestellt. Jetzt sitze ich hier und habe ein internationales Produkt, das noch niemand anbietet und das nicht einfach kopiert werden kann. Natürlich kann jeder einen Ramadankalender herstellen, aber nicht so, wie ich mein Produkt herstelle. Den Fokus auf Iftar hat noch niemand gesetzt.
Ich habe angefangen die Kalender über Facebook zu bewerben und zu verkaufen. Ich hatte aber auch großes Glück, dass die Presse mir wohlgesonnen war und darüber geschrieben hat. Ihnen gefiel die Entstehungsgeschichte und auch der Kalendergedanke. Und plötzlich war ich innerhalb von kurzer Zeit ausverkauft! Dann habe ich Blut geleckt. Ich hatte wieder dieses Bauchgefühl. Dann habe ich es noch einmal gemacht und bestellte wieder eine große Stückzahl Kalender. Dieses Mal hatte ich großes Glück mit Firas Alshater alias Zukar. Ich habe ihm einen Iftarlender geschickt und ihm “Happy Ramadan” und “Willkommen in Deutschland” gewünscht. In einem kurzen Schreiben habe ich den Iftarlender ein bisschen erklärt und wie das in Deutschland mit dem Adventskalender ist. Mir war egal, ob er Christ, Moslem, Jude oder sonst was ist. Ich wollte es ihm einfach mal schicken, weil er auch ein Vorbild für alle Flüchtlinge ist. Und dann hat er ein Video auf YouTube gepostet und Iftarlender markiert. Ich wusste davon nichts. Ich dachte er genießt jetzt die Schokolade und dann ist gut. Plötzlich ging es ab und auch dieses mal war mein Produkt komplett ausverkauft. Im Grunde kann ich sagen, dass ich einfach gemacht habe. Das ist das, was viele toll finden. Wenn du eine Idee hast, einfach machen, nicht warten! Also, jede Woche, die du wartest, jeden Monat, den du wartest, entfernt dich ein Stück weiter von deiner Idee.
Und zeige ein hohes Maß an Eigeninitiative! Gebe nicht auf! Ich nehme einfach das Telefon in die Hand und rufe potentielle Käufer, wie zum Beispiel Kaufhäuser, an. Das Schlimmste was passieren kann, ist das du ein “Nein” als Antwort bekommst. Und heute kann ich mich Unternehmerin nennen und habe verschiedene Produkte. Ich muss aber immer noch viel rausgehen und den Leuten erklären wer ich bin und was ich mache. Es ist nicht so, weil ein paar Leute über mich geschrieben haben, dass ich jetzt weltberühmt bin.

Deine Produkte kann man jetzt auch in allen Hussel Confiserie Filialen, bei Real, Kaufland und Galeria Kaufhof kaufen. Wie hast du die Kaufhäuser davon überzeugt deine Produkte in ihr Sortiment aufzunehmen?

Nadia: Ich habe alle Kaufhäuser abtelefoniert, alle! Ich bin nach Köln gefahren und habe so lange genervt, bis jemand gesagt hat “Ok, kommen sie vorbei und bringen sie mir ihr Produkt”. Man sagte mir, ich bin diejenige, die einem Eskimo nicht nur einen Kühlschrank, sondern gleich fünf Kühlschränke verkauft. Für die Familie und als Vorrat. Ich kann Menschen für etwas begeistern. 

Deine Schokolade ist nach hohen Standards zertifiziert. Was genau steckt dahinter?

Nadia: Schokolade war in Europa weder Halal- noch Koscherzertifiziert. Ich selbst habe zwei Jahre lang geforscht und nach einer Firma gesucht, die Halal nach meinem Verständnis und der klaren religiösen Lehre produziert. Denn zu Halal und Koscher gehören ganz viele Schritte.

"Meine Schokolade erfüllt alle Anforderungen, die für eine Halal- und Koscherzertifizierung vorgesehen sind. Dazu gehören unter anderem faire Produktion, faire Löhne, pflanzliche Zutaten und das alles noch zu einem absolut fairen Preis."

Als ich den Kalender gemacht habe, bin ich automatisch ins Schokoladengeschäft gekommen. Ihr müsst euch vorstellen, ich als Schokoladenjunkie! Ich mag nicht so gerne den Billigkram. Ich gucke auch immer hinten auf die Zutaten drauf. So habe ich auch meine Kinder erzogen, immer hinten drauf gucken, was drin steht. Sobald du ein “E” siehst, lege es weg, nicht essen. Ich finde, man sollte, soweit möglich, darauf achten, dass man nur Lebensmittel zu sich nimmt, die einem nicht schaden. Man will seinen Körper ja schützen und auch der Umwelt nicht schaden. Ich möchte mit dem was ich tue einfach aufklären und aufzeigen, dass man durch Schokolade sogar Menschen zusammenbringen kann. Schließlich teilen sie eine große Gemeinsamkeit - sie haben einen hohen Anspruch auf ihre Lebensmittel und das was sie essen! Juden ist es z.B. verboten ein Wildtier zu essen, weil sie daran glauben, dass diese Energie des Tieres auf dich übergeht. Das ist doch total spannend. Hinzu kommt das ich mit Juden groß geworden bin. Unsere Nachbarn in Marrakech in der Kasbah waren Juden. Und das ist mir anscheinend mit meinem Produkt gelungen. Das Tolle ist, dass ganz viele Produzenten auf diesen Zug aufgesprungen sind, insbesondere im Ausland. Aus Amerika kommt da viel koscherzertifiziert und halal mittlerweile auch. Was das angeht, sind wir hier in Deutschland total die Schlaftabletten.

Dennoch ist es so, dass einige aus der muslimischen Community anfangen mich zu haten, weil ich Halalprodukte herstelle und damit Geld verdiene. Das tut richtig weh. Ich habe mich damit intensiv beschäftigt und möchte euch nicht zum Kauf zwingen, ich gebe euch lediglich eine Option. Viele werfen mir beispielsweise Geldgier vor, weil meine Schokolade im höheren Preissegment liegt. Dabei ist mein Produkt eine Premiumschokolade. Ein Händler verkauft diese normalerweise für 5€. Ich versuche die Händler, mit denen ich zusammenarbeite, dazu zu bringen, nicht mehr als 2,99€ für die Schokolade zu nehmen. Denn Wucher ist im Islam verboten und meine Schokolade wäre dann nicht mehr Halal. Und 2,99€ ist ein Spitzenpreis für eine Schokolade, die im Premiumsegment liegt. Die Schwierigkeit liegt darin, dass die meisten nur Preise von Milka kennen. Für 69 Cent lutschst du leider Zucker mit Palmfett. Es ist wichtig, dass auch auf Seiten der Kunden ein größeres Preisbewusstsein entsteht. Der Handel kann dich als Kunden nicht ernst nehmen oder nicht wertschätzen, wenn du ihm mit deinem Kaufverhalten signalisierst, dass dir die Umwelt und faire Arbeitsbedingungen egal sind. 

“Ich bin zu geizig für billige Ware!”

Das sagte einst ein Jude zu mir und ich fande seine Aussage super interessant. Denn das heißt, er spart lieber für einen teuren Mantel von dem er dann zehn Jahre etwas hat, als ein Mantel von einem Billig-Klamotten-Hersteller zu kaufen, der vielleicht nur eine Saison hält und im Winter nicht einmal vor der Kälte schützt.

Neben dem Iftarlender und der Iftarlade hast du auch noch andere Produkte in deinem Sortiment. Was sind Ramadeenis​TM​?

Nadia: Ramadinis ist eine neue Produktreihe speziell für Kinder. Die Ramadeenis kommen bald auf den Markt. Auch hier habe ich lange rumprobiert und nach bunten Schokolinsen (ähnlich wie Smarties) gesucht, die Halal sind. Jetzt, wo ich fündig geworden bin, wird es welche mit bunten Schokolinsen geben, aber auch mit Müsli und Nuss Crunchys.

Die Ramadaeenis bestehen aus drei Figuren, die feste Charaktere, Stärken und auch menschliche Schwächen vermitteln sollen. Habib ist ein Tollpatsch mit großem Herz und Witz, Jamal ist der typische Klassenbeste mit Hang zum B-Boy, der Kunst und Kultur zusammenzubringt, Laila a.k.a. Missy L. ist der Boss der Clique, Turbanista und hat schon ihr eigenes kleines Fashionlabel. 

Laila a.k.a. Missy L. ist der Boss der Clique, Turbanista und hat schon ihr eigenes kleines Fashionlabel.

Ihre Figur ist inspiriert von Khadijah, die erste Frau des Propheten Muhammed (s.a.w.). Sie war eine erfolgreiche Geschäftsfrau und hat sich für ihre Mitmenschen, egal welcher Religion sie angehörten, stark gemacht und ihnen Schutz geboten. Unser Prophet hat sie genau aus diesem Grund so sehr geliebt und nicht umsonst gibt es nur für uns Frauen eine ganze Sure.

Die Clique wird immer mehr wachsen und ich möchte dem Markt zeigen, dass es auch anders geht im Süßwarenbereich, als unsere Kinder weiterhin mit Palmfett und künstlichen Aromen und Farbstoffen krank zu machen.
Ich arbeite bereits mit vielen Partnern an weiteren Produkten. Es kommen definitiv noch ganz viele leckere Sachen auf euch zu.

Was hast du auf deiner Reise hin zur Unternehmerin gelernt?

Nadia: Vertraue nur dir selbst. Es ist einfach so, vertraue nur dir selbst und ziehe es durch. Wenn dir jemand sagt: “Nein, es geht nicht.” Dann musst du es erst recht machen. Das ist wirklich das A und O!

Wie sieht die Zukunft für Honeyletter aus?

Nadia: Mein Leitspruch ist: “Halal ist das neue Vegan!”
Der erste Schritt wäre, wenn alle verstehen, dass Halal nicht einfach nur die Art des Schächten ist, sondern auch, dass es um faire Arbeitsbedingungen geht, dass die Umwelt geschützt wird und, dass du das bist was du isst. Also, achte darauf was du deinem Körper antust.
Wenn dann auch noch die ganz großen Konzerne, wie Ferrero, Henkel, Nestlé & Co. diesen Weg mit mir gemeinsam gehen, dann kann ich sagen: “Ich habe alles geschafft was ich wollte!”.

Vielen lieben Dank liebe Nadia für das wirklich spannende Interview!
Wir haben eine Menge dazugelernt 👌🏼❤

 Seid gespannt was Nadia und ihr Team in der Zukunft sonst noch auf den Markt bringt. Einfach auf Instagram HONEYLETTER followen 👍🏼 und immer UpToDate sein 😉

 

Liebe Eltern!
Zum nächsten Ramadan gibt es für euch und eure Kinder etwas ganz Besonderes - den Ramadan Kids Kalender 👏🏼🎉

In dem Ramadan Kids Kalender befinden sich kleine Schokoladenkugeln mit einer Dattel- und Feigenmusfüllung. Eine kleine Überraschung wird es zu dem Kalender auch noch geben, aber da müssen wir uns alle noch in Geduld üben 😉

 

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