Superheldin  24. April 2019

Orient trifft Vegan

VEGAN - Was steckt hinter der Entscheidung einer veganen Lebensweise? Heute findet man in fast jedem Restaurant, Supermarkt oder auf Foodblogs ein veganes Angebot, denn immer mehr Menschen entscheiden sich bewusst für eine vegane Ernährung.

Wir stellen euch heute unsere Superheldin Serayi vor, die über ihren Instagram-Account und auf ihrer Blogseite “Orient trifft Vegan” ihre Community unzensiert mit der Massentierhaltung und der Milch- und Eierindustrie konfrontiert.
Ihr Großvater hatte ihr erzählt, dass er in seiner Kindheit nur sehr selten in den Genuss von Kuhmilch gekommen war. Erst wenn die Kuh ihr Kalb gestillt und das Kalb sich satt getrunken hatte, nahm die Familie die übrig gebliebene Milch. Diese wurde teilweise mit Wasser gestreckt, damit die Familie mehrere Tage davon trinken konnten.
Unsere heutige Lebensweise hat sich in eine Richtung entwickelt, in der, wir auf nichts lange warten möchten und alles zu jederzeit bekommen können.

In unserem Interview mit Serayi erzählt sie uns, dass die vegane Ernährung für sie ein Statement ist, wie sie zu dem Halal-Siegel steht und dass sie geschmacklich auf nichts verzichtet. Wer glaubt, dass die orientalische Küche nicht ohne Fleisch zubereitet werden kann, wird sich wundern was Serayi mit ihrem bald erscheinenden Rezeptbuch möglich macht ;)

Bei uns selbst hat Serayi ein Umdenken ausgelöst. Wir versuchen Schritt für Schritt tierische Produkte gegen pflanzliche zu tauschen. Wenn man sich mit dem Thema Nachhaltigkeit beschäftigt, ist die vegane Ernährung ein fester Bestandteil.

Wir sind gespannt wie ihr zu dem Thema VEGANE ERNÄHRUNG steht und freuen uns über jede Meinung - Feedback - Support!

Viel Spaß beim Lesen!

 

Liebe Serayi, erzähl uns ein bisschen was von dir. Wie alt bist du, wo wohnst du und was machst du beruflich?

Sereyi: Schön, dass ich hier sein darf! Ich bin 23 Jahre alt, lebe in der Nähe von Stuttgart und bin gelernte Make up Artist :)

 

Du führst ein Blog zu dem Thema vegane Ernährung und auch auf deinem Instagram-Account bist du sehr aktiv zu diesem Thema. Aus welcher Motivation heraus, hast du angefangen dich mit der veganen Ernährung zu beschäftigen und es in deinem Alltag einzuführen?

Serayi: Es waren mehrere Puzzleteile die sich zu einem Ganzen zusammengefügt haben. Ich bin auf Dokumentationen der Massentierhaltung gestoßen. Über die Fleisch-Eier- und Milchindustrie. Ich empfehle hierzu Filme wie Earthlings, what the health oder Dominion. Dort handelt es sich um versteckte Aufnahmen die in mir unglaublich viel ausgelöst haben. Meine Motivation dahinter ist, die Menschen für so ein wichtiges Thema welches uns alle angeht zu sensibilisieren. Vegane Ernährung ist für mich ein Statement. Ein Statement welches aussagt, dass ich dagegen anstehe und rebelliere, wenn Unternehmen durch Ausbeutung und Manipulation nicht nur fühlenden Lebewesen schaden, sondern auch ohne Rücksicht auf Verlust unseren Planeten für die das dicke Geld zu zerstören. Und WIR, die Kleinen, die es eigentlich ja gar nicht böse meinen, aber einfach nicht nachdenken, unterstützen genau diese Menschen die am Leid der anderen Milliarden verdienen. Zu denken es sei schon immer so gewesen ist ein Irrtum. Laut dem Umweltministerium haben wir in den letzten 100 Jahren mehr Tiere gezüchtet,manipuliert und getötet, mehr die Natur mit unserem Konsum zerstört, als die GESAMTE Menschheit die vor uns gelebt hat. Ich wiederhole mich mit diesem Satz immer wieder. Aber wenn man diese Aussage mal auf sich wirken lässt, wird einem bewusst, in was für einer Zeit wir leben.

 

Wie hat sich dein Leben hinsichtlich Gesundheit und Alltag durch die vegane Ernährung verändert?

Serayi: Sehr! Unter anderem war auch meine chronische Krankheit ein Grund warum ich mich mit der veganen Ernährung auseinander gesetzt habe. Eine Krankheit die noch ziemlich unerforscht ist, und man deshalb auch keine Antwort für die Heilung kennt. Ich möchte dazu auch gar nicht so viel sagen, ausser dass diese Krankheit hohe Entzündungen in meinem Körper auslöst, und ich bei jedem Schritt Treppe hätte heulen können. Also habe ich nach hunderten von Arzt Besuchen für mich entschlossen, es selbst in die Hand zu nehmen. Und durch Eigenrecherche wurde schnell klar, dass besonders pflanzliche Produkte Entzündungen lindern und die Zellen heilen. Und was soll ich sagen? Mit meinen pflanzlichen Tagen und Wochen die ich mir damals neu eingebaut hatte, konnte ich spüren wie die Schmerzen weniger wurden. Mein Vater der starkes Diabetes hat, konnte nach 1 Monat Vegan Challenge seine Medikamente reduzieren. Aber klar kann man mit jeder Ernährung sich gesund oder ungesund ernähren! Es kommt dann auch immer darauf an, was auf dem Teller landet!

Welche tierische Lebensmittel sind deiner Meinung nach wirklich einfach durch pflanzliche Produkte ersetzbar, ohne dabei auf den Geschmack verzichten müssen?

Serayi: Da gibt es einiges :) Man muss manchmal die Dinge nur etwas anders zubereiten! Zum Beispiel veganer Joghurth sollte etwas nachverfeinert werden, dann schmeckt er wie man es gewohnt war! Am liebsten verfeinere ich mit etwas Zitrone, Salz, Knobi und Minze :) Ansonsten poste ich ja gerne auf meine Seite wenn ich ein tolles Produkt entdeckt habe! Die Produkte unterscheiden sich oft sehr stark im Geschmack, deshalb muss man sich da etwas durchprobieren und irgendwann hat man dann sein Liebling!

 

Wo kaufst du am liebsten ein und wie schaffst du es alternative pflanzliche Produkte für deine Lieblingsgerichte zu finden? Wie beispielsweise die vegane Sucuk ;)

Serayi: Ich finde die Auswahl beim Kaufland toll! Dort gibt es z.B. mein Lieblings Vanille Eis. Anstatt Kuhmilch mit Pflanzenmilch! Die Familie findet diese Sorte sogar noch leckerer :) Standart Sachen wie Gemüse, Hülsenfrüchte usw. kaufe ich am liebsten beim Türken frisch vor Ort. Oh ja! Die vegane Sucuk war ein absoluter Hype auf meiner Seite, haha! Ab und zu schaue ich auch gerne mal in Reformhäuser rein, als ich dort die vegane Sucuk entdeckt habe war ich so happy :D Habe die dann mal aus Interesse mit einer Sucuk aus Kuh Fleisch verglichen. Die Inhaltsangaben waren fast identisch. Nur war das eine auf Basis von Tier, die andere auf Basis von Weizeneiweiß. Der ein oder andere lebt noch mit dem Vorurteil „Chemie“ Wurst. Aber hier dürfen wir nicht vergessen, würde ich jetzt roh in eine Kuh beissen, würde die ja auch nicht nach Sucuk schmecken xD Gewürze und Zubereitung sind das Zauberwort!

Wie stehst du zu dem Thema “HALAL” und was genau bedeutet das für dich?

Serayi: Halal bedeutet für mich Erlaubt. Es gibt bestimmte Regeln im Islam bis etwas Halal genannt werden darf. Bei der Schlachtung des Tieres werden auf viele Punkte hingewiesen. Neben dem Wort HALAL steht im Quran auch gleich das Wort „tayyib“. Rein. Also sprich, die Reinheit von dem was wir zu uns nehmen und das Erlaubte. Auf diese Dinge müssen wir achten. Und jetzt mal weg von dem Aspekt MÜSSEN. Allein das Innere eines Menschen sagt einem doch, dass Massentierhaltungen nicht REIN sein können. Es kann für mich weder erlaubt noch rein sein, Tiere auf engstem Raum zu halten. Sie ihrer Natur zu berauben. Sie aus Gründen des immer mehr wachsenden Fleischkonsums noch unbarmherziger zu behandeln.

Wie schafft man es die Gesellschaft auf die Themen wie Nachhaltigkeit, Umwelt und Respekt für jedes Lebewesen, zu sensibilisieren?

Serayi: Vorleben! Den ersten Schritt tun."Was soll schon einer alleine erreichen?-fragte sich die halbe Menschheit. Ich denke diese Zeilen verdeutlichen so viel. Mal zeigen wie einfach es geht! Ich bekomme ganz oft Nachrichten von Menschen die mir schreiben, dass sie niemals gedacht hätten das man mit pflanzlicher Ernährung auf keinen Geschmack verzichten muss! Aber viele denken leider noch an Möhren nagen und langweiliges Essen xD So entstand dann auch meine Idee mit meinem Buch! Orientalische Gerichte wie Lahmacun und vieles andere aus der Vielfalt der Natur- mit Pflanzen! <3
Ohne Tier. Vegan!

 

Dein erstes veganes Rezeptbuch kommt in kürze auf dem Markt. Erzähl uns doch bitte kurz, was dein Buch so besonders macht? Worauf können wir uns freuen?

Serayi: Ich bin mit der orientalischen Küche aufgewachsen und groß geworden. Gerichte wie Manti, Lahmacun oder Baklava haben mich natürlich dementsprechend auch in meinen Geschmacksknospen geprägt haha! Als ich dabei war mich an die vegane Ernährung heranzutasten lief erstmals einiges schief. Hab irgendwelche super-fancy-healthy-Grünkohl-auf-Spargel-mit-Sprossen-Dinge ausprobiert und dachte mir, nur so ist man super vegan unterwegs! Aber spätestens beim probieren war ich total verzweifelt xD Bis ich auf die Idee gekommen bin, einfach traditionelle Gerichte zu veganisieren. Und ich denke genau das wird mein Buch so Allah erlaubt ausmachen! Den alten traditionellen Geschmack mit ein paar kleinen Änderungen wieder zum Leben erwecken! Den Menschen aus der orientalischen Ecke zeigen, dass es auch wunderbar ohne Fleisch geht! Und anderen Kulturen die vielleicht nicht so mit diesem Essen vertraut sind, in eine neue Welt eintauchen lassen :) Echte, authentische, orientalische Rezepte. Ebenso habe ich auf dem Buch besonders auf einfache Zutaten geachtet. Keine fancy Zutaten die niemand Zuhause hat. Klar gibt es das ein oder andere Rezept für die „Kreativen Bastler“ unter uns. Aber vielmehr beruhen die Rezepte auf alte Gerichten. Mit Tipps & Tricks. Orientalische Hinweise und ein kleines eintauchen in eine vielleicht etwas andere Welt :)

 

Was bedeutet für dich Vorbild und wer sind deine Vorbilder?

Serayi: No body is perfect! Deshalb gibt es nicht wirkliche Vorbilder für mich. Jedenfalls keine die in der heutigen Zeit leben. Vielmehr lasse ich mich lieber von Menschen inspirieren.. Es gibt da einen schönen Spruch.

„Nimm so viel von mir wie du kannst. Kau es gründlich. Schluck das was dir wertvoll erscheint, und spuck den Rest wieder aus.“

 

Wenn dein Satz mit „Liebe GenerationM*,...“ anfängt, wie würde dieser enden?

Serayi: Liebe GenerationM (Muslim),
wir müssen anfangen uns über die Macht eines jeden Einzelnen bewusst zu werden.
Wir müssen etwas ändern.
Wir müssen aufwachen, aufstehen, handeln und aufhören Menschen zu unterstützen und zu finanzieren die nur an das dicke Geld denken.
Aufhören paar Minuten „Genuss“ über jedes Elend zu stellen.
Wir müssen aufhören darauf zu warten, dass endlich die  „Großen“ etwas verändern.
Wir müssen aufhören zu glauben, die Politik müsse etwas in Gang setzen.

Der Anfang beginnt bei jedem EINZELNEN von UNS. Jeder Einkaufszettel ist ein Stimmzettel. Mit jedem Einkauf bestimmst DU wer weiterhin mit seiner Ausbeutung Geld verdient und wer nicht. Wann haben wir eigentlich angefangen alles auf die anderen zu schieben? Und wann fangen wir wieder damit an, bewusst in die eigene Hand zu nehmen und gegen den Wahn der Ausbeutung und der Massentierhaltung zu steuern?

Liebe GenerationM (Muslim), wir leben in einer Zeit der Überflutung und des Konsums. Konsumiert die richtigen Dinge! Konsumiert keinen Hass, konsumiert Liebe! Konsumiert keine Habgier, konsumiert die Rücksicht. Konsumiert keine Gleichgültigkeit, konsumiert Mitgefühl! Denkt nach. Informiert euch. Handelt!

 

Danke liebe Serayi für das Gespräch, deine Gedanken und deine Aufklärung zu solch einem wichtigen Thema! Wir haben eine Menge gelernt und freuen uns jetzt schon auf dein veganes Rezeptbuch ;)

Wir wünschen dir weiterhin viel Erfolg!
Dein hijabvibe-Team

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*GENERATION M / GENERATION MUSLIM
Der Begriff GenerationM ist vor allem geprägt von Shelina Janmohamed in ihrem Buch “Generation M: Young Muslims Changing the World”. Janmohamed definiert die Generation Muslim Millennials als der Teil der muslimischen Bevölkerung, die in den letzten 30 Jahren geboren wurden, die keinen Widerspruch zwischen ihrem Glauben und einem Modernen Lebensstil sehen. Sie schreibt: “Ihr Glaube beeinflusst alles und sie wollen, dass die Welt es weiß. Das unterscheidet sie von ihren nicht-muslimischen Altersgenossen. Sie fordern von Welt, die sie umgibt, auf diese Bedürfnisse einzugehen. Sie sind technikaffine, selbstbefähigte Jugendliche, die glauben, dass ihre Identität sowohl Glauben, als auch Modernität umfasst.”