Superheldin  22. November 2018

PopPolitik meets Talkshow!

Diversität ist nicht einfach nur ein Buzzword - Diversität gehört in allen Lebensbereichen und vor allem in die Medienlandschaft!
Diversität bedeutet im Grunde nichts anderes als, dass jede Gesellschaftsgruppe sich auf allen Kommunikationskanälen repräsentiert fühlt und dort auch über Themen gesprochen wird, mit denen sie sich beschäftigen.

Esra Karakaya hat sich genau mit diesen Fragen beschäftigt und ihre Antwort ist: “Mach dein eigenes Ding!”. Mit „Black Rock Talk“ hat sie ihre eigene Talkshow geschaffen, welches in dieser Art bisher in Deutschland nicht gibt.

In unserem Interview mit Esra, hat sie erzählt, wie es zu ihrer Idee kam was das Besondere an Black Rock Talk ist und warum sie von dem gesamten Produktionsteam unentgeltlich unterstützt wird.
ps. Einige von euch kennen Esra vielleicht schon als die “Neue” Datteltäterin 😉

Lest hier das Interview und schreibt uns euer Feedback 💌😉

Vielen Dank Esra für das tolle Gespräch 👌🏼❤
Viel Erfolg für Black Rock Talk!

Liebe Esra, stell dich kurz vor. Wer bist du, woher kommst du und was machst du?

Esra: Mein Name ist Esra und würde sagen, dass ich an erster Stelle Videoproduzentin bin. Ich habe in Berlin meinen Bachelor in Musik und Medienwissenschaft gemacht. Als Videoproduzentin plane, produziere und postproduziere ich Videos. Gleichzeitig bin ich auch als Moderatorin in verschiedenen Bereichen aktiv, wie z.B. Alex Berlin, Radio, Podium, auf Bühnen und Demos, wie zuletzt bei #unteilbar. Seit Kurzem bin ich Teil des Datteltäter-Teams und freue mich darauf!

In der deutschen Medienlandschaft sieht man so gut wie nie eine Moderatorin mit Kopftuch. Es gibt erst seit knapp zwei Jahren neue Formate wie z.B. FUNK, die das Thema Diversität angenommen haben und entsprechend Moderatoren aus der Muslim/Black/POC Community einsetzten.
Wie kam es dazu, dass du dich dennoch für ein Studiengang entschieden hast, dass eher selten von Gleichgesinnten (Muslim/Black/People of Color) belegt werden

Esra: Ich sehe es auch so. Wir Menschen der Globalen Mehrheit, oder People of Color (POC) - vor allem Frauen mit Kopftuch - sind in den Medien extrem unterrepräsentiert. Mir war das zwar auch schon vor dem Studium klar, aber richtig bewusst wurde es mir erst während der Studienzeit. Was mir allerdings vorher nicht bewusst war, welche Macht ich als Muslima mit Kopftuch habe. Denn genau jetzt als Moderatorin habe ich an dieser Stelle die Möglichkeit, diese Narrative aufzubrechen und entgegen zu wirken.

Während des Abiturs war ich auf einer Schule, auf der Menschen wie ich die absolute Mehrheit waren. Das war natürlich super für uns, denn man hat sich wohlgefühlt und man musste sich nicht stark in seiner Art einschränken. Und dann kam ich auf die Uni und alles war anders! Plötzlich war ich die Minderheit und weit und breit keine Gleichgesinnten und erst recht keine zweite Frau mit Kopftuch. Musik und Medienwissenschaften ist bisher ein sehr weißer Studiengang und so habe ich mich Anfangs in der Uni wie ein Fremdkörper gefühlt. Es ist schwierig in gefestigten Gruppen Anschluss zu finden, deren Weltbild sich so stark von dem eigenen unterscheidet.
Über die Jahre habe ich verstanden, dass ich mir meine Räume, in denen ich mich wohlfühle, selbst suchen und schaffen muss. Mein neuer Raum war außerhalb der Uni und genau hier wurde ich gestärkt. Diese Gruppen haben mir letztendlich klar gemacht, dass sich durch mein eigenes Handeln völlig neue Chancen ergeben und das nicht nur für mich, sondern auch für meine Community.
So fasste ich den Entschluss, dass ich nicht nur hinter der Kamera bleiben möchte, sondern auch vor die Kamera.

 

Hast du als Moderatorin Themenschwerpunkt?

Esra: An erster Stelle schaue ich immer wer der Auftraggeber*innen und Organisator*innen ist. Ich bin sehr darauf bedacht, dass ich nicht allzu oft bzw. keine Integration-, Migrations- und Rassismusthemen annehme. Menschen mit Migrationshintergrund werden schnell und gerne für diese Themen angefragt. Bei Communityanfragen mache ich manchmal Ausnahmen.

Ich möchte an einen Punkt kommen, an dem ich Themen moderiere und mein Aussehen irrelevant ist. Ich möchte gerne Talkshows moderieren, wie z.B. “Wer wird Millionär” oder meine eigene Talkshow auf Netflix oder Pro7 haben.

Kommentar hijabvibe:
Finden wir super, denn das kann langfristig dazu führen, dass wir es schaffen, uns als Plurale Gesellschaft in einem Raum aufzuhalten, in dem keiner sich unwohl fühlt.

Du hast in diesem Jahr deine eigene Talkshow „Black Rock Talk“ gegründet. Wie bist du zu dieser Idee gekommen?

Esra: Bevor ich mit Black Rock Talk begonnen habe, habe ich viele interessante Gespräche mit inspirierenden Menschen geführt. Dabei ist mir aufgefallen, dass Themen die ich, meine Freunde und meine Community als relevant erachten, nicht in den Mainstreammedien thematisiert werden. Ich glaube, dass sowohl die Mainstream-, als auch die Nischenmedien unsere Themen einfach nicht als relevant genug empfinden und diesen somit dort keinen Platz einräumen. Es würde auch keinen Sinn machen als Moderatorin direkt zu ZDF/ARD zu gehen und da meine Themen reinzuboxen. Für einen narrativen Wandel in den Medien braucht es mehr als eine einzelne Person.

Also stelle ich mir selbst die Frage, wie schaffe ich es eine Plattform aufzubauen, auf der ich und meine Community gemeinsam entscheiden, was wichtig ist und was nicht und wo wir selbst entscheiden welche Fragen relevant sind. Und in diesem Fall ist YouTube einfach eine top Plattform, um das umzusetzen.

Ich habe ein Video von “The Grapevine” gesehen und ich dachte mir in diesem Moment „Ohh okay, das ist es!“. Also habe ich angefangen das Konzept zu schreiben und Black Rock Talk umzusetzen.

 

Was ist Black Rock Talk und wen sprichst du damit an?

Esra: Black Rock Talk ist ein Ort, indem Menschen zusammenkommen, die in den Medien unter- und falschrepräsentiert sind. Das können z.B. Frauen mit Kopftuch sein oder queere Menschen. Bei Black Rock Talk kommen meine Gäste aus Communities, die strukturelle Ausgrenzungen erfahren.

 

Wie entscheidest du welche Themen für Black Rock Talk interessant sind.

Esra: Die Themen sind sehr unterschiedlich. Wichtig ist, dass sie einen popkulturellen Bezug haben. Ich möchte nicht über das Gesundheitswesen sprechen, wenn nur die Wenigsten damit etwas anfangen können. Um dennoch das Thema “Gesundheitswesen” anzugehen, bräuchte ich dafür irgendeinen Aufhänger. Das kann zum Beispiel sowas sein wie, irgendein Star ist ins Koma gefallen und die Ärzte haben versagt. Dieses Thema wird dann in meiner Talkshow genutzt, um in diese Thematik einzusteigen. Auf dieser Weise entsteht ein anderer Bezug und Interesse zu dem Themen „Gesundheitswesen“ und es entwickelt sich nicht zu einer trockenen und undifferenzierten Talkshow. Die größte Herausforderung ist, die richtigen Gäste zur Talkshow einzuladen, um eine Meinungsvielfalt zu haben.

Das Ziel jeder einzelnen BlackRockTalk-Folge ist, dass diese Dialoge letztendlich dazu führen sollen, dass wir uns während des Zuschauens in den verschiedenen Meinungen wiederfinden, aber auch neue Impulse, bzw. Perspektiven gewinnen. Es soll nicht nur eine Reflexion der eigenen Meinung sein, sondern auch Aha-Momente schaffen.

 

In deiner Talkshow wird nur deutsch gesprochen. Seit Kurzem habt ihr einen englischen Untertitel eingeführt. Erzähle uns den Hintergrund dazu.

Esra: Black Rock Talk findet in Deutschland auf deutsch statt und das ist die Priorität. Einfach aus dem Grund, dass es ein Bedürfnis in Deutschland gibt, gewisse Themen aufzugreifen, die es im englischsprachigen Raum schon gibt. Wir greifen Themen auf, die uns hier in Deutschland betreffen und besprechen diese mit Menschen, die hier leben.
Dennoch verstehen wir die Bedeutung der englischen Sprache. Zum einen erreichen wir dadurch viel mehr Menschen und gleichzeitig ist sie eine Form von internationaler Solidarität. Mit dem englischen Untertitel schaffen wir die Möglichkeit, dass auch andere Länder verstehen und sehen, was hier in Deutschland passiert und was uns beschäftigt.

 

Welches Ziel hast du dir für Black Rock Talk gesetzt?

Esra: Zurzeit produzieren wir alle 5 Wochen eine Folge. Ich wünsche mir, dass Black Rock Talk viel öfter produziert wird. Im Idealfall 1x die Woche!
Um in kürzeren Abständen produzieren zu können, bräuchten wir allerdings Geld, um alle Beteiligten fair bezahlen zu können. Und das ist halt die große Frage. Denn aktuell ist es so, dass an diesem Projekt das gesamte Produktionsteam umsonst arbeitet, aber auch nur deswegen, weil sie an die Vision glauben.

Die Vision ist, dass Black Rock Talk ein Format wird, dass in Deutschland eine kulturelle Bedeutung erlangt.

 

Jetzt kommen wir auch schon zu unserer letzten Frage: Wenn dein Satz mit „Liebe GenerationM*,...“ anfängt, wie würde dieser enden?

Esra: Liebe GenerationM, sei dir deiner Schönheit bewusst, sehe dein Potential, tue es einfach, mach die Fehler und nimm Hilfe an!

Sollte euch der Beitrag gefallen haben, freuen wir uns über jeden Support! 
Liked, kommentiert und shared für mehr Modest Lifestyle 📲 ✌🏼

Folgt uns auf Instagram 👍🏼 und Facebook 👍🏼, um immer UpToDate zu sein 😉👌🏼

Wir danken euch 🙏🏼💕

 

*GENERATION M / GENERATION MUSLIM
Der Begriff GenerationM ist vor allem geprägt von Shelina Janmohamed in ihrem Buch “Generation M: Young Muslims Changing the World”. Janmohamed definiert die Generation Muslim Millennials als der Teil der muslimischen Bevölkerung, die in den letzten 30 Jahren geboren wurden, die keinen Widerspruch zwischen ihrem Glauben und einem Modernen Lebensstil sehen. Sie schreibt: “Ihr Glaube beeinflusst alles und sie wollen, dass die Welt es weiß. Das unterscheidet sie von ihren nicht-muslimischen Altersgenossen. Sie fordern von Welt, die sie umgibt, auf diese Bedürfnisse einzugehen. Sie sind technikaffine, selbstbefähigte Jugendliche, die glauben, dass ihre Identität sowohl Glauben, als auch Modernität umfasst.”