Superheldin  17. September 2017

Part I - Zeina Nassar, eine Superheldin der neuen GenerationM!

Photo by Younes Al-Amayra

Heute stellen wir euch eine unserer Superheldinnen der GenerationM vor:
Zeina Nassar

Mit nur 19 Jahren hat sie schon drei Mal die Berliner Boxmeisterschaft 🥊  gewonnen, ein Theaterstück mitentwickelt und gibt international TV-Interviews! Am meisten hat uns aber ihre Einstellung beeindruckt und wie sie Mädchen in vielen Ländern inspiriert ihr eigenes Ding durchzuziehen.

Zeina, du hast dir dein Superheldinnen-Cape mehr als verdient!

 

hijabvibe: Hi Zeina, bevor wir mit dem Interview beginnen, wäre es schön, wenn du dich für die Leserinnen, die dich noch nicht kennen, kurz vorstellen könntest.

Zeina: Klar! Mein Name ist Zeina Nassar. Ich bin 19 Jahre alt und komme aus Berlin-Kreuzberg. Ich studiere zur Zeit in Potsdam, arbeite nebenbei als Schauspielerin am Maxim Gorki Theater und bin dreifache Berliner Boxmeisterin. Zudem schwimme ich regelmäßig, bin auch noch im Basketballverein und seit einigen Jahren offizielle Schiedsrichterin beim Basketball.

hijabvibe: Bei so vielen unterschiedlichen Dingen, die du tust, zwingt sich regelrecht die Frage auf, wie du Prioritäten setzt. Hast du einen guten Weg gefunden deine Zeit für dich sinnvoll aufzuteilen? Wie gehst du beispielsweise mit deinem Engagement für das Theater um?

Zeina: Leicht ist es wirklich nicht. Ich kann zurzeit auch keine Prioritäten setzen, weil ich viel mache und mir alles, was ich angehe, wichtig ist.
Direkt nach meinem Abiturabschluss, habe ich beim Theater einen Vertrag als feste Mitarbeiterin erhalten. Die darauf folgenden Monate bis zum Beginn meines Studiums waren wirklich hart. In dieser Zeit habe ich jeden Tag acht Stunden geprobt. Seitdem wir das Stück fertig entwickelt haben, führen wir es zweimal im Monat auf. Der Zeitaufwand hierfür hat daher abgenommen. Die Termine für das Theater stehen bereits fest. Dadurch kann ich meine Zeit hierfür sehr gut einplanen.

 

hijabvibe: Wie sieht ein typischer Tag bei Zeina aus

Zeina: Das ist tatsächlich so eine Sache bei mir. Die Wochen sind immer überfüllt. Früher habe ich bis zu fünfzehn Stunden in der Woche trainiert. Mittlerweile geht das nicht mehr, weil ich auch ganz viele andere Aktivitäten mache. Aber ich trainiere immer noch jeden Tag für anderthalb bis zwei Stunden. Mitleerweile habe ich es auf eine Trainingseinheit pro Tag reduziert. Sonntag lasse ich sogar ab zu das Training ganz aus.
Ich mache ja nicht nur Sport. Dann kommen noch Interviews dazu oder auch TV-Sendungen, zu denen ich eingeladen werde. Dann nimmt die Uni mal mehr Zeit in Anspruch. Meine Tage sehen also immer anders aus. Einen typischen Tagesablauf gibt es daher bei mir nicht. Es kommt immer darauf an, was gerade ansteht. Wenn ich Boxwettkämpfe habe, muss ich alles noch etwa anders planen. Ich kann kurz vor dem Kampf beispielsweise nicht allzu viel trainieren, damit ich beim Kampf nicht schlapp bin. Ich fokussiere mich dann ganz aufs Boxen. Lasse dann mal das Schwimmtraining aus. Vor so einem Kampf muss man sich auch viel mental vorbereiten und die Muskeln entspannen.


hijabvibe: Hast du denn überhaupt noch Freizeit oder Zeit für dich selbst?

Zeina: Boxen ist meine Freizeit! Boxen hilft mir mich zu entspannen und sorgt für einen Ausgleich. Durch die vielen verschiedenen Aktivitäten bin ich manchmal schon ganz schön gestresst. Beim Boxtraining kann ich diesen Stress ablegen und abschalten. Ich vergesse alles um mich herum. Ich bleibe fit, auch mental, und komme mit einem Lächeln aus der Trainingseinheit heraus. Ich glaube, das liegt daran, dass ich mich während des Trainings ausschließlich darauf konzentriere und alles andere ausblenden kann.
Bei einer Wettkampfvorbereitung ist das ein wenig anders. Das Training ist einfach härter und man muss sich durchboxen. Da geht es dann weniger um den Spaßfaktor und man muss mehr Ehrgeiz zeigen, um das durchzuziehen.

 

hijabvibe: Hat es den einen Moment in deinem Leben gegeben, der entscheidend für deine Boxkarriere gewesen ist?

Zeina: Da gab es diesen einen Tag! Ich war bei einer Freundin zu Hause und wir haben uns durch Zufall Videos von boxenden Frauen angesehen. Das fand ich unheimlich interessant. Bevor ich diese Videos gesehen hatte, war Boxen für mich ganz klar ein Männersport und nichts für Frauen. Aber als ich diese disziplinierten Frauen gesehen habe, wollte ich es unbedingt sofort selber ausprobieren. Also bin ich zum Probetraining gegangen und meine Freundin hat mich begleitet. An diesem Tag ist mir klargeworden, dass der Boxsport das ist, was ich machen will und in meinem Leben brauche. Mit der Zeit hat sich das dann weiterentwickelt. Der Boxsport hat mich selbstbewusster gemacht.
Ich habe viele Bestandteile des Boxens in mein tägliches Leben übertragen. Beispielsweise: Disziplin! Ich bin durch den Boxsport viel besser in der Lage meine Stärken und Schwächen einzuschätzen, wo meine Grenzen liegen usw. Meine Motivation ist auch, dass ich gewinnen möchte. Damit meine ich nicht eine Medaille mit nach Hause zu nehmen, sondern es geht darum, aus jedem Kampf zu lernen. Mein Lieblingszitat drückt das gut aus: „Fighting is not about winning or losing. It is about learning!“

 

hijabvibe: Woher nimmt man die notwendige Motivation, um Boxmeisterschaften zu gewinnen und nebenbei noch eine Million andere Dinge umzusetzen?

Zeina: Na ja, ich habe mich schon immer für viele Dinge interessiert und nehme gerne neue Herausforderungen an. Schon als Kind war ich sehr sportbegeistert und habe immer viele Sportarten ausprobiert. Ich liebe es neue Sachen zu entdecken und diese auszuprobieren. Vor allem auch, weil ich immer wieder Neues lerne, nicht zuletzt auch über mich selbst. Das ist unheimlich hilfreich, um sich selber weiterzuentwickeln.
Ich habe jetzt offiziell 11 Kämpfe, davon 10 Siege, und inoffiziell um die 17 Kämpfe. Davon habe ich zwei verloren. Also eine ganz gute Bilanz.
Aber mein erster Kampf war eine Niederlage und wollte an diesem Tag mit dem Boxen aufhören. Ich war damals sehr traurig und enttäuscht von mir selbst. Aber nach dem Kampf sind unheimlich viele Leute auf mich zugekommen und sagten zu mir „Du hast super geboxt! Und auch mit Kopftuch! Da bist du echt die erste.“ Ich hatte das Gefühl, dass jeder zu mir kommen wollte, um mir zu gratulieren. Es ist sogar ein Fotograf auf mich zugekommen und wollte mich fotografieren. Ich habe das zu dem Zeitpunkt gar nicht verstanden. Ich hatte den Kampf doch verloren. Warum gratulieren mir alle? Und dann kam der Moment wo ich es begriffen habe. Es geht nicht ums Gewinnen und Verlieren. Es geht darum Leistung zu zeigen! Ich war noch nie so motiviert wie an diesem Tag nach meinem ersten verlorenen Boxkampf. Dort fing alles an. Ich habe mein Training verändert, habe noch härter trainiert und hatte ein Ziel vor Augen. Nach diesem Kampf habe ich dann auch alle offiziellen Kämpfe gewonnen. Es waren echt starke Gegner dabei. Gegner, die viel mehr Erfahrung hatten, aus dem Ausland kamen und die seit zehn Jahren beim Boxsport dabei waren. Aus einer Niederlage das Beste zu machen, das habe ich natürlich nicht alleine geschafft. Meine Trainerin hat mir unheimlich viel geholfen mit dieser Niederlage umzugehen und sie zu akzeptieren. Manchmal muss man auch verlieren, um sich weiterzuentwickeln und voranzukommen.
Zwei Jahre nach dieser Niederlage hatte ich die Chance mich erneut dieser Gegnerin zu stellen. Diesmal konnte ich den Kampf für mich entscheiden 😉  An diesem Punkt wurde mir noch einmal bewusst, wieviel ich innerhalb der letzten zwei Jahre dazugelernt und mich sportlich und mental weiterentwickelt habe.

 

Im zweiten Teil des Interviews erfahrt ihr wie sie ihre Eltern vom Boxen überzeugt hat, was sie mit ihrem Theaterstück erreichen möchte und mit welcher großen Sportmarke sie in Zukunft zusammenarbeiten wird.

Bleibt gespannt und folgt uns auf Instagram - @hijabvibe 😉⁠⁠⁠⁠

Sollte euch der erste Teil gefallen haben, freuen wir uns über eure Kommentare und das Sharen des Artikels!

Wir danken euch!